Recht & Politik

16.09.08

Aus meiner Sicht

Des einen Freud, des anderen Leid - der Mietenspiegel Nürnberg 2008

Der neue Mietenspiegel gilt seit 1. August. Bereits im Juni wurde er der Presse vorgestellt. Was wurden da vom Herrn Wirtschaftsreferenten Dr. Fleck (CSU) wieder schöne Worte darum gemacht. Wer richtig hinhörte, der konnte da auch eine Befürchtung mit heraus hören. Die Mieten sind nämlich nicht mehr gestiegen, sondern stagniert, teils sogar gefallen; und das könnte ja schließlich Investoren vergraulen. Aber glücklicherweise seien die Mieten immer noch so hoch, dass dazu keine Veranlassung bestünde. Oder anders ausgedrückt: Hauptsache es klappert in der Kasse; wo die Leute das Geld hernehmen ist wurscht. Aber wie gesagt, es ist seit langen Jahren endlich der Trend durchbrochen, was aber nichts daran ändert, dass die Mieten allgemein viel zu hoch sind. Das machen auch die Mietpreisspannen in der Tabelle deutlich: Bis zu 3 €. Für Leute, die immer noch in DM rechnen – ca. 6 Mark! Und das war vor Jahren noch ein eigenständiger Mietpreis, manch ein Mieterhaushalt sollte vielleicht doch über die Beantragung von Wohngeld nachdenken, zumal damit zu rechnen ist, dass die Vermieter künftig die Mietpreisspanne voll ausreizen werden.

Mit dem neuen Mietenspiegel geht auch ein Systembruch einher. Um es vorwegzunehmen: Auf unserem Mist ist das nicht gewachsen! Es war wohl eher die Stadt, die mit dem Umstieg, auf das so genannte Regressionsverfahren bei Erhebung und Analyse des Zahlenmaterials Kosten sparen wollte. Erstmals ist auch ein Institut mit ins Verfahren eingeschaltet worden. Schließlich ist die Basis an verwertbaren Fragebögen deutlich geringer als bisher. Auch der Umstand, dass immer weniger Mieter bereit sind, an den umfangreichen Befragungen teilzunehmen, hat sicher eine Rolle gespielt! Trotz  allem ist der Mietenspiegel wieder in Tabellenform angelegt. Worin dann der  Systembruch besteht , werden Sie sich nun fragen. Nun, das Erhebungsverfahren sieht die Abfrage (und anschließende Bewertung) vieler Einzelmerkmale vor, die dann später sich auch im Mietenspiegel wiederfinden sollten. Tun Sie aber nicht!  Zu allem sind systemfremde, weil subjektive Merkmale – wie z.B.die Lage in bestimmten Ortsteilen mit eingeflossen. Darum ist das ungefähr so, als wenn Sie einem Himbeerpudding so lange Kakao zuführen, bis er zwar die Farbe vom Schokoladenpudding hat, nicht aber den Geschmack.

Nun, es ist ja nochmal gutgegangen. Wie lange der Versuch hält, wird sich zeigen. Spätestens wenn jemand die Diskrepanz auf- und angreift, München und Frankfurt haben da mit ihren Regressions-Mietenspiegeln ihre leidvollen Erfahrungen gemacht. Und noch immer stehen sich in der Fachwelt die Befürworter von Regressionsanalyse und Tabellen-Mietenspiegel fast unversöhnlich gegenüber. Wir vom Mieterverein haben die anderen Beteiligten vor möglichen Folgen des Systembruchs jedenfalls gewarnt. Gleichwohl hat der Mieterverein sich mit 10.000 € an den Gesamtkosten von 150.000 € beteiligt.



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